Zespół Szkół Samochodowych
 
Ein Besuch bei der Berufsschule für Automobiltechnik in Poznań/Polen (Zespół Szkół Samochodowych). Vom 24.4. bis 29.4.2006.

Es soll ein Erfahrungs- und Gedankenaustausch stattfinden. Der Austausch von Lehrlingen und Lehrern wird erwogen.

Zespół Szkół Samochodowych
ul. Zamenhofa 142
61-139 Poznań
zss@ids.poznan.pl
http://www.samochodowka.edu.pl/
 
 
Personen
Personen mit denen ich ins Gespräch kam:
mgr inź. Marek Gabryelewicz, Schuldirektor
mgr inź. Przemysław Polowczyk, Vizedirektor
mgr inź. Mieczysław Skalski, Fachlehrer
Frau Mielniczuk, Physiklehrerin
Prof. dr hab. inź. Janusz Mielniczuk, Polytechnika Poznańska

Englischlehrerinnen
Ania
Dorota Lemke
Magdalena

Deutschlehrerinnen
Aleksandra
Ela
Kasia

Kontakte
Lambert Smit, Drenthe College/NL, mailto:LGT.Smit@drenthecollege.nl
Dorota Lemke, Zespół Szkół Samochodowych, mailto:lemked@interia.pl

Bilder
Oben: Schulhaus
Mitte: In der schuleigenen Garage, Magdalena, Marek Gabryelewicz, Dorota Lemke, Werkstattchef
Unten: Praktischer Unterricht in der Toyota-Klasse mit Mieczysław Skalski
 
 
Programm
Mo 24.4.2006
Ich treffe um 12.10 bei der Schule ein. Ein Lehrling stürzt sich aus der Türe und redet in polnisch auf mich ein. Ich verstehe nur das Wort Direktor. Im Eingangsbereich empfängt mich Ania die sich als Englischlehrerin und "Dolmetscherin des Tages" vorstellt. Sie bringt mich ins Büro von Marek Gabryelewicz, dem Schuldirektor. Der Direktor enschuldigt sich für seine ungenügenden Sprachkenntnisse in Deutsch und Englisch. Er gehört zu einer späten Generation die noch Russich büffeln musste. Beim Kaffee erkundigt man sich freundlich nach dem bisherigen Verlauf meiner Tour in Polen und meinen Eindrücken.

Der Vizedirektor gesellt sich zu uns und bittet, bei der Beschaffung von Software behilflich zu sein. Die Schule konnte mit EU Mitteln ein Schulzimmer mit 30 PCs ausrüsten, aber nun fehlt die Software. Man möchte gerne Edison und Tina von der Schweizer Vertretung beschaffen.

Marek Gabryelewicz und Ania bringen mich ins Hostel in Poznań Wilda.

Di 25.4.2006
Um 9.00 bin ich im Büro des Direktors. Ela übersetzt. Er erläutert mir das Schulwesen in Polen und die Rolle seiner Berufsschule. Die Berufsschulklassen starten mit bis zu 32 Schülern. Nach drei Jahren schliessen ca. 25 ab. Es gibt keine Lehrverträge. Die Klassen sind einer bestimmten Automarke verpflichtet. Höchstes Ansehen geniesst die Toyota Klasse.

Ich besuche am späten Vormittag eine Lektion des Direktors. Zuerst ein Kurztest, dann Frontalunterricht zum Thema Einspritzsysteme. Der Direktor doziert auswendig während einer halben Stunde. Praxis findet in der schuleigenen, selbsttragenden Garage statt. Während der dreijährigen Lehre absolviert der Kandidat mehrere einmonatige Praktiken bei den Markenvertretungen.

Drei Lehrlinge erscheinen verspätet, sie werden ignoriert. Der letzte kann den Kurztest nicht mehr schreiben und kassiert Note 1. Nachmittags besichtigen wir die Werkstätten und später sitze ich in der Toyota Klasse von Mieczysław Skalski. Auf die Theorie (Bremsen) folgt die Praxis am Schulungsauto von Toyota.

Um 12.00 gibt es einen Lunch im Büro des Direktors mit Ela und Dorota Lemke.

Zwischendurch wird mir ein Video eines Besuchs der Polen in der Ukraine gezeigt. Berufsschule wie vor 50 Jahren! Die Poznańer Schule möchte die Ukrainer gerne unterstützen. So wie ihnen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von Deutschland geholfen wurde.

Abends laden mich die Deutschlehrerinnen Aleksandra und Kasia zum Bummel in der Altstadt ein.

Mi 26.4.2006
Sitzung um 9.30 mit Marek Gabryelewicz, Mieczysław Skalski und Magdalena. Wir besuchen heute gemeinsam die Vertretungen von Opel, Honda und Toyota. Alle Vertretungen entsprechen europäischem Standard und wir werden zuvorkommend empfangen. Es werden uns nicht nur Werkstätten gezeigt, sondern auch Aufenthaltsräume, Kantinen, Garderoben, WCs, usw.

Gabryelewicz und Skalski werden allerorten von Absolventen ihrer Schule begrüsst. Man ist sehr stolz auf die Schule und ihre Absolventen.

Höhepunkt der Tour ist die Demo im Toyota Landcruiser. Schräglagen von 50° und 100% Steigungen lassen uns den Atem anhalten.

Zwischendurch besichtigen wir die Kathedrale und den künstlichen Malta See. Der Herr Direktor kann nicht nur Einspritzsysteme dozieren, nein, auch in Geschichte ist er sehr bewandert. Magdalena hat zeitweise Mühe seinen Ausführungen zu folgen und zu übersetzen.

Do 27.4.2006
Um 10.00 bringt mich Frau Mielniczuk zum Polytechnikum wo ihr Mann doziert. Die Führung dauert 1 Stunde. Wir besichtigen das Labor für Verbrennungsmaschinen mit verschiedenen Motorenprüfständen. Unter den Prüfobjekten ist das neuste Modell des VW 2.5 l Dieselmotors installiert.

Nachmittags sitze ich in einer Deutschlektion mit Ela und einer Englischlektion mit Ania. Ania unterrichtet ein 2. und ein 3. Lehrjahr im selben Schulzimmer weil ein Lehrer ausgefallen ist. Diese zwei Klassen sind unruhig und bereiten der Lehrerin Mühe.

Abends bin ich bei Dorota Lemke und ihrem Mann zum Essen eingeladen. Weiters sind zugegen der Direktor, ein Fachkundelehrer und seine Frau. Dolmetscherin Magdalena musste kurzfristig absagen.

Vor der Fahrt zu Dorota gibt mir der Direktor Anschauungsunterricht in Geschichte. Wir fahren zur Maschinenfabrik Cegielski wo sich 1956 die Arbeiter zum Streik versammelten. Wir fahren entlang der Route auf welcher die protestierenden Arbeiter damals ins Stadtzentrum marschierten. Heute steht ein Denkmal auf dem Platz wo die Streikenden von Polizei und Armee beschossen wurden.

Fr 28.4.2006
Empfang beim Vizedirektor um 11.30. Er gibt mir eine Demo am neusten "Schulwagen" von Opel, dem Zafira II. Er zeigt mir Diagnose mit Hilfe von Laptop und speziellen Diagnosegeräten.

Um 13.00 beginnen die Feierlichkeiten zum Abschluss des Schuljahres mit der Zeugnisübergabe an die Absolventen. Dies ist ein feierlicher Akt mit Landeshymne und Trompetentusch. Anwesend sind Eltern, Klassenlehrer, Direktor und Vizedirektor, die Vertreter der Marken, Fiat, Honda, Opel, Peugeot, Toyota und Volkswagen und ein Behördenvertreter. Alle Lehrlinge sind im dunklen Anzug mit Gilet und Kravatte. Für die besten jeder Klasse gibt es Preise.

Nach der Feier begeben wir uns ins Büro des Direktors mit Ania als Dolmetscherin. Die Leute aus der Industrie fragen mich nach unserem Schulsystem, Lehrlingswesen, Freizeitgestaltung, Problemen mit Jugendlichen, Aussichten auf dem Arbeitsmarkt und vieles mehr. Der Peugeot Mann, extra für den Anlass aus Warschau angereist, möchte meine Uhr sehen und will wissen, ob es den Uhrmacherberuf in der Schweiz noch gibt.

Ca. um 16.00 verabschiede ich mich vom Direktor und Ania. Als Geschenk wird mir ein Buch über Poznań überreicht.
 
 
Fazit
Die Gastfreundschaft und Aufmerksamkeit die mir hier zuteil wurde ist fast grenzenlos. Allein die Stunden die der Direktor mit mir verbrachte!

Eine Offerte von Simfsoft für Edison und Tina Software habe ich angefordert und umgehend an die Schule weiter geleitet. Dorota Lemke habe ich den Link zu StudEx geschickt.

Zum Austausch von Lehrlingen und Lehrern
Lehrlinge arbeiten bei uns drei oder vier Tage die Woche im Betrieb. Welcher Schweizer Lehrmeister ist bereit, polnische Lehrlinge mit bescheidenen Deutschkenntnissen aufzunehmen?

Schweizer Lehrlinge in Polen könnten den Fachunterricht in der Landessprache nicht besuchen. Die polnische Schule müsste eine deutschsprachige Klasse führen.

Den Austausch von Sprachlehrern könnte ich mir am ehesten vorstellen. Schweizer Lehrer in Polen müssten allerdings in den Genuss von "Alltagspolnisch" kommen. Ansonsten werden sie sich schnell einsam und isoliert fühlen.

ISO Zertifizierung
In Poznań gibt es erst eine Schule mit ISO Zertifikat. Ich versuchte die Zertifizierung im Hinblick auf EU, Unterrichtsqualität, Effizienz und Prestige schmackhaft zu machen. Dorota Lemke und der Direktor sind skeptisch. Sie lassen sich von meinen Argumenten nicht überzeugen und denken, da ist viel Prestige im Spiel. Das Verhältnis von Kosten zu Ertrag ist ihnen zu ungünstig. Die finanzielle Situation sei ohnehin sehr angespannt.

Cooperation
Eine Institution wie unser SIBP scheint es in Polen nicht zu geben. Ich könnte mir eine Zusammenarbeit bei der ISO Zertifizierung, den Lehrmethoden und der Ausbildung der Berufsschullehrer vorstellen.